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taz online - 03.11.2009

Veröffentlicht am 03.11.2009


Auf Dauer Provinz

Bremerhavens Hauptbahnhof wird saniert, aber aus Kostengründen werden Bahnsteige verkürzt. Dadurch wird die Stadt endgültig vom Fernverkehr abgekoppelt.

VON FELIX ZIMMERMANN

Bremerhavens Hauptbahnhof wird saniert, nach Abschluss der Arbeiten im kommenden Jahr könnte das 1914 eröffnete Gebäude ein Schmuckstück sein. Die Bahnhofshalle soll im alten Glanz erstrahlen, die Bahnsteige werden mit Aufzügen ausgestattet, alles soll heller und freundlicher werden. Der Umbau allerdings wird Bremerhavens 2001 vollzogene Abkopplung vom Fernverkehr der Deutschen Bahn auf Dauer zementieren und die Stadt zu dem machen, was sie längst nicht mehr sein will: Ein Ort, an den man nicht unbedingt von weiter her mit der Bahn reisen muss.

Am Montag war Spatenstich, da herrschte bei den anwesenden Lokalpolitikern Freude über den Beginn der längst fälligen Sanierung des maroden Gebäudes. Die Bahn selbst lobte sich in einer Erklärung dafür, nunmehr "die attraktive Gestaltung eines weiteren wichtigen Bahnhofes" eingeläutet zu haben. Acht Millionen Euro werden verbaut, davon übernimmt die Stadt Bremerhaven 600.000 Euro.

Wohl wegen der vergleichsweise geringen Summe durfte sie auch am wenigsten mitreden und muss nun mit ansehen, wie zwei eigentlich fernverkehrtaugliche Bahnsteigkanten von 400 auf 210 Meter Länge gekappt werden. Man nahm, was man kriegen kann, ist froh, dass die Sanierung endlich wahr wird - und fügte sich der Bahn, die sagt, dass die Sanierung der langen Bahnsteige teurer gewesen wäre als deren Verkürzung. Gerade mal ICE-Halbzüge könnten dann dort noch halten, wie sie auch zwischen Hannover und Bremen verkehren. Für weitere Optionen mit Intercities oder ICE-Vollzügen aber sind Bremerhavens Bahnsteige künftig zu kurz, rechnet Jens Volkmann vom Kreisverband Bremerhaven des Verkehrsclubs Deutschland vor. "Wir haben für die Oldenburger Lösung geworben - vergeblich", sagt er. Dort ist ein Bahnsteig lang genug, die Stadt ist mit einer Intercity-Verbindung ans Fernverkehrnetz angeschlossen.

Die Bahn begründet die Abrissmaßnahme mit dem derzeitigen Bedarf - und der beschränkt sich auf Regionalzüge. "Hätten wir die Bahnsteige länger gemacht, wäre es Verschwendung von Steuergeldern gewesen", sagte ein Bahnsprecher. Die Stadt muss sich damit zufrieden geben und baut laut Stadtsprecher Wilfried Moritz auf die Aussage der Bahn, nach der nach dem Umbau ausreichend Platz für halbierte ICEs wäre.

Nur stellt sich die Frage nach einer Fernverkehrsanbindung zur Zeit und wohl auch bis auf weiteres ohnehin nicht. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis findet klare Worte: "Wir haben nicht vor, Bremerhaven wieder an den Fernverkehr anzuschließen." Das klingt final, aber der Hauptgeschäftsführer der Bremerhavener Industrie- und Handelskammer will trotzdem nicht locker lassen.

Er will Vorstände der Bahn und der für den Betrieb der Bahnhöfe zuständigen Bahn-Tochter DB Station & Service AG nach Bremerhaven einladen, weil ihnen offenbar nicht bewusst sei, "was sich hier getan hat", sagt Stark. Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro sollen die Stadt zum Anziehungspunkt für Touristen machen, aber die Bahn stellt die Infrastruktur nicht bereit. Das findet Stark "nicht nachvollziehbar". Eine Einladung an einen Bahnvorstand hat er schon verschickt, weitere Briefe sollen folgen. Obwohl er nicht viel Hoffnung hat, dass das der Länge der Bahnsteige helfen wird.


Quelle: taz - die tageszeitung - Lesen Sie den Artikel nach unter: taz.de