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Veröffentlicht am 30.08.2013


Mehr Gäste durch die Bahn

von Jürgen Rabbel

Bremerhaven. Eine Straßenbahnlinie von Leherheide nach Wulsdorf, dazu noch einen Abzweig nach Grünhöfe. Mit solch einer Streckenführung würde die Bahn im Einzugsbereich von 80 000 Menschen liegen. Bis Geestemünde im Fünf-Minuten-Takt, nach Wulsdorf und Grünhöfe Fahrten alle zehn Minuten. So könnte der öffentliche Nahverkehr in der Zukunft aussehen, so Verkehrsplaner Dr. Christoph Groneck.

Auftraggeber sind der Verkehrs-club Deutschland (VCD) und das Nord-Süd Forum Bremerhaven. Intention: Den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver gestalten, Autofahrer zum Umstieg auf die Schiene bewegen, die Abgasbelastung in der Stadt reduzieren. „Die Wiedereinführung der Straßenbahn wäre ein beispielhafter Beitrag zum Klimaschutz und zur Steigerung der Lebensqualität“, unterstrichen Gisela Wiegel (Nord-Süd Forum) und Jens Volkmann (VCD). Die Ausführungen in der Broschüre seien ein Anstoß dafür, heute die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dafür müsse aber der politische Wille vorhanden sein. Auch für solche weitreichenden städtischen Verkehrsprojekte würden Fördermittel auf EU-, Bundes- und Länderebene fließen.

Überall dort, wo eine Straßenbahn neu eingeführt, oder ein Netz erweitert wurde, seien die Fahrgastzahlen gestiegen, betont Groneck, der sich intensiv mit der Entwicklung in Europa auseinandergesetzt hat. „In Bordeaux wurden zum Beispiel 1999 64,5 Millionen Fahrgäste transportiert, nach Einführung der Straßenbahn waren es 2010 rund 102 Millionen Menschen.“ In Jena (104 000 Einwohner) würden mit der Straßenbahn jährlich rund 21,6 Millionen Fahrgäste befördert, in Bremerhaven (113 462 Einwohner) liege das Fahrgastaufkommen in den Bussen bei rund 13,8 Millionen.

Hauptlinie von Nord nach Süd

Eine Hauptlinie von Nord nach Süd ist nach Meinung von Groneck ausreichend, um das Gros der Bevölkerung in den Wohngebieten abzuholen und in die wichtigsten Zielgebiete zu transportieren. Bestehende Nebenstrecken zum Beispiel nach Langen, Spaden, Schiffdorf oder auch zur Bahnhofstraße könnten weiterhin mit Bussen – E-Antrieb nicht ausgeschlossen – als Zubringer zur Hauptstrecke bedient werden. Etwa 20 Straßenbahnen (Preis pro Stück: rund 2 Millionen Euro) müssten angeschafft werden. Dort, wo es geht, müssten extra Trassen angelegt werden. Zum Beispiel als Grünstreifen mitten in der Georgstraße. Gebaut werden müssten etwa 18 Kilometer Gleise und Oberleitungen. Kosten pro Kilometer: circa 10 Millionen Euro. Der Bau einer Straßenbahn müsse natürlich mit anderen städtebaulichen und verkehrsplanerischen Änderungen kombiniert werden, so Groneck.

Dass der Neubau einer Straßenbahn zunächst viel Geld verschlinge, sei klar, betont Groneck. Aber sie sei langlebiger als Busse, es könnten mehr Menschen mit weniger Personal befördert werden und sie seien umweltfreundlicher. Ein Beispiel aus Straßburg: Nach Einführung der Straßenbahn fuhren dort 17 Prozent weniger Pkw in die City, dafür kamen aber 20 Prozent mehr Kunden per Bahn direkt in die Einkaufsmeilen.

Ob die Straßenbahn-Idee es in die politischen Gremien schafft, ist fraglich. „Wir werden es mit Sicherheit nicht thematisieren“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Sönke Allers. Eine Finanzierung solch eines Projekts sei mittelfristig nicht darstellbar. „Tolle Idee, aber bei unseren Sparhaushalten nicht machbar“, winkt auch CDU-Fraktionsvorsitzender Paul Bödeker ab. „Es war ein Fehler, die Straßenbahn 1982 abzuschaffen, aber es wäre auch ein Fehler, sie jetzt wieder einzuführen“, meint er. „Wir werden die Idee sicherlich diskutieren und die Thematik aufgreifen“, betont Claudius Kaminiarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen. „Die Vorschläge werden nicht einfach verpuffen.“ Denn der öffentliche Personennahverkehr sei ein wichtiges Thema. Die politischen Entscheidungsträger der Stadt sollen auf alle Fälle mit der 52-Seiten-Broschüre versorgt werden. „Die Post geht diese Woche noch raus“, so Wiegel. Heruntergeladen werden kann das Heft auch im Internet.

www.strassenbahn-bremerhaven.de


Quelle: Nordsee-Zeitung

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der NORDSEE-ZEITUNG GmbH, Bremerhaven