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Veröffentlicht am 13.08.2012


Nordwestbahn oft zu spät

Bremerhaven. Eicko Meinert hat die Nase voll. "Die Zuverlässigkeit der Nordwestbahn", sagt er, „ist nicht mehr akzeptabel." Seit zehn Jahren pendelt Meinert beruflich von Wulsdorf nach Bremen. Er kennt die Schwächen des Zugnetzes, und er nimmt sie bewusst in Kauf. "Auch die Deutsche Bahn hatte schlechte Zeiten", sagt Meinert. "Aber das, was ich seit sechs, sieben Monaten bei der NWB mitmache, das habe ich noch nicht erlebt."

Der Jahreskarten-Inhaber spart nicht mit Kritik, seine Mängelliste, die er an die NWB geschickt hat, ist lang: regelmäßige Verspätungen von mehr als zehn Minuten, immer mehr ausfallende Züge, defekte Klimaanlagen und fehlende Fahrgast-Informationen. "Die Züge kommen zu spät oder gar nicht, und die Fahrgäste erfahren das nicht mal", sagt Meinert. Die Handy-App des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) würde Verspätungen nur selten anzeigen, Durchsagen auf Bahnsteigen würde es so gut wie gar nicht mehr geben. Meinert: "Das kann man so doch nicht machen."

Auf Nachfrage erklärt die Nordwestbahn die Kritik für berechtigt. "Unsere Pünktlichkeit auf der Strecke von Bremerhaven-Bremen ist in den Keller gegangen", sagt NWB-Sprecher Timo Kerßenfischer. "Diese Linie ist mit Abstand die unpünktlichste unserer vier Regio-Linien." Jeder zehnte Zug kommt nach Unternehmensangaben mit mehr als fünf Minuten Verspätung an. "Damit sind wir auch nicht zufrieden", so Kerßenfischer. Die Pünktlichkeit der drei anderen Regio-S-Bahnen würde dagegen bei 97Prozent liegen.

Aber woran liegt es, dass in Bremerhaven und Bremen immer weniger NWB-Züge pünktlich ins Ziel rollen? Nordwestbahn-Sprecher Kerßenfischer führt das auf den zunehmenden Güterverkehr und der "extrem ausgelasteten Strecke" zurück. "Wir stehen da zu oft." Die Nordwestbahn fordert deswegen die Deutsche Bahn (DB) auf, den im Dezember veränderten Gesamtfahrplan für Personen- und Güterverkehr auf den Prüfstand zu stellen.

Auch der Bahn bereiten die neuen Zeiten dem Vernehmen nach Schwierigkeiten. Immer wieder müssen Intercity-Züge sowie Regionalexpress-Verbindungen warten, weil sie durch verspätete NWB-Züge ausgebremst werden. Und das nicht nur vor Stubben, wo derzeit ein neues elektronisches Stellwerk installiert wird.

Jens Volkmann, Sprecher vom Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), macht sich deswegen für den Ausbau von Überholgleisen stark. "Auf der Strecke gibt es nur vier, zwei sind aber kaputt", so Volkmann. Güterzüge könnten nur in Stubben und Osterholz-Scharmbeck überholt werden. Die Gleise in Lübberstedt und Oldenbüttel seien gesperrt. "Da muss etwas passieren", so Volkmann. Das sieht auch Malte Halim, Vorsitzender vom VCD-Landesverband, so: "Der Güterverkehr ist in dieser Form ein Problem für den Personenverkehr. Es kann Verspätungen geben, aber nicht in diesem Maße wie derzeit bei der NWB."


Quelle: Nordsee-Zeitung

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der NORDSEE-ZEITUNG GmbH, Bremerhaven